Presslufthanna – Eingangsbereich (Review)

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Diese EP erschien am 1. März dieses Jahres auf blumeblau. Oh yeah, oh yeah, es ist Zeit für ein Projekt, auf das ich mich tatsächlich schon sehr gefreut habe. Dabei kenne ich diese nette Rapperin aus Kiel eigentlich kaum, aber nachdem ich mir Presslufthannas erste Single zu dieser EP angehört habe, plus das generelle Interesse durch das Release über blumeblau, dachte ich mir, dass ich mir die Eingangsbereich definitiv mal anhören möchte. Soweit ich Presslufthanna einschätzen kann, so, aus dem was ich von ihr kenne, ist sie eine Rapperin, die sehr ehrlich und ohne Kompromisse ihre Zeilen schön roh und aggressiv auf laut klatschende Boombap-Beats spuckt, und sowas kann ich eigentlich immer feiern, wenn man was zu sagen hat. Und, surprise, das hat sie. Das hier scheint ihr Debütprojekt zu sein, was mich dann doppelt interessiert, da ich immer für Newcomer zu haben bin. Ja, ihr merkt, dadurch, dass ich nicht so richtig viel über sie weiß, ist die Einleitung gerade ein bisschen rambly, deshalb lasst uns doch mal einen Schritt weitergehen.

Produziert ist diese Platte von Oskar Hahn und plusma, und die Cuts sind von Jona Gold, es sei denn ich habe etwas anderes angegeben. Basierend auf diesen Credits erwarte ich dann schonmal wirklich schön angerohten, grimy Hip-Hop mit düsterer Stimmung. Dann will ich mal nicht großartig weiter drumherum reden, schließlich habt ihr wahrscheinlich auch schon Bock drauf, euch diese EP mit mir zusammen anzuhören (Machen das eigentlich welche von euch? Das fände ich cool), und wir begeben uns in den Eingangsbereich. Mal schauen, was es da so zu sehen gibt.

Stream:

Track 1: Eingangsbereich (prod. von plusma)

Okay, wir werden direkt begrüßt mit dröhnendem Bass und Saxophontouches, das gefällt mir. Geteilte Zeit ist gleich geteiltes Leid. Okay, sie reppt direkt über ein paar sachen, die sie für sich selber herausgefunden hat. Ich mag ihren rohen Flow sehr gerne. Rap ist zum Scheitern geweiht. Natürlich ist da auch ein bisschen Representing dabei. If they won’t give it to me, I’m taking my respect. Schöne Cut-Hook. Jetzt ist sie bereit und kritisiert die Szene, während sie beschreibt, wie viel Hip-Hop ihr eigentlich bedeutet. Ehrlich und real muss es sein. Viel mehr als ein paar Worte aneinander zu reihen. Ich mag auch, wie sich manchmal der Beat hier aufhellt, das ist schön. Dopes Intro. 4/5

Track 2: Priorität (prod. von Oskar Hahn)

Sind das… Glocken? Ja, oder? Etwas Gitarre im Hintergrund. Das hat direkt so eine graue Regenstimmung, bis es dick losbumpt. Sie redet hier wieder etwas über ihre Musik und die Szene. Das kann ich feiern, sie gibt sich wieder sehr ehrlich und stellt das gut dar. Schwestern sind keine Gegner. Danke. Jetzt gibt sie Liebe an andere Rapperinnen. Sie will mehr vermitteln als eine arrogante Art. Hier spittet sie echt durch den gesamten Track durch. Dann kommen zum Ende die Cuts. You ain’t gotta fuck with your conscience. Wieder, dope. 4/5

Track 3: Vergilbtes Foto (prod. von plusma) (Cuts by Polar)

Ein Klavier kommt von hinten rein, diesmal etwas verzerrt. Times is so hopeless, I gotta keep focus. Dieser Beat bumpt wieder gut nach Vorne. Hier redet sie über die ganzen Probleme, mit denen sie zu kämpfen hat. Ich begreife das System nicht, doch es greift nach mir. Da sind wieder ziemlich viele gute Lines drin. Es gibt keine Währung mit der du Ignoranz bezahlst. Die leicht melodische Hook ist echt angenehm. Die Welt ist wie ein Kartenhaus, einfach nur konstruiert. Real shit. Hmm, ihre Erkenntnisse in der zweiten Strophe sind super dargestellt und bauen gut auf einander auf. Ich mag auch, wie sie auf Rassismus hier eingeht. Dann kommt die Hook zurück. Ja, das gefällt mir wieder sehr. Doper Track. 4/5

Track 4: Suchtverhalten (prod. von Oskar Hahn)

Okay, der Track hier klingt direkt deutlich düsterer, hier ist fast jeder Song irgendwie schief. Mal sehen. Diese eine Melodielinie ist sehr unangenehm. Ich sitze im Zimmer und schreib. Der Bass klingt erst sehr hohl, passt dann aber zu den dicken Drums. Wie verrückt muss man sein um hier noch normal zu bleiben? Hier geht es wieder um ihre Probleme, und dass Musik sie irgendwie immer weitermachen lässt. Sie weiß, dass sie in Liebe schwimmt. Dann gibt es eine leichte Überleitung. Ich nahm den letzten Zug, und dachte es wird schon gut. Ja, ich hab es mir gedacht, das Schreiben ist für sie wie eine Sucht. Damn, die Basslinie wird immer nastier. God damn, sie ist in der zweiten Strophe RICHTIG heftig am Spitten Sie fliegt, und dann wird der Beat atmosphärischer. Dann kommen die Cuts rein, das kommt mega gut bei mir an. I get mad when it comes to playing hip-hop. Damn, das war verdammt dope. 4,5/5

Track 5: Geschichte wird gebufft (feat. Teleluke) (prod. von Oskar Hahn)

Vernebelte Sounds kommen rein, und eine… ähhh… ich sag einfach mal nur Melodielinie. Da kommt dann noch eine dazu, bis ein dicker Bass reinkommt. Hallo Luke. Wer hat die Geschichte gebufft? Damn, Luke klingt hier richtig hungry drauf. Was gedeiht auf dem Flecken Erde? Alte Freunde schmieden andere Pläne. Damn, Lukes Strophe war echt dope, so hungrig hab ich ihn selten gehört. Irgendwann werde ich gehen, und soweit bin ich froh, wenn ich weiß dass irgendwo noch ein Text stehen bleibt. Dopes Sample. Hanna ist hier auch wieder hart am Spitten. Das ist wieder ein bisschen Representen über ihre Kunst mit guten Lines, was ich gut finde. Das war ein doper Track. 4/5

Track 6: Witzfiguren (prod. von Oskar Hahn)

Wie kommt denn das? Das ist so wichtig und besonders und exklusiv nur für dich. Eine verzerrte Glockenlinie kommt rein, das ist wieder schön grimy. Ich drehe mich seit Jahren nur im Kreis. Hier haben wir wieder einen Representer mit einem guten Flow von ihr. Du kannst die Faust heben und dabei die Finger brechen. Ihr wollt die Mitte, könnt ihr gerne haben. Diese Welt ist voller Witzfiguren. Damn, die Hook ist nice. Dann kommt natürlich ein ASK-Sample, find ich schön. Ihre Zeilen sind echt so gut durchstrukturiert, ich feier das. Hier hat sie auch noch ein paar echt lustige Zeilen drin, das ist sympathisch. Ich mag die dröhnende Stimmung hier sehr. Dann kommt das Sample vom Anfang zurück. Dope. 4/5

Track 7: Unterm Strich (prod. von plusma) (Cuts bei Sotah)

Okay, ein paar ruhigere Klaviertöne kommen rein, das ist sehr angenehm, ich mag die Stimmung. Sie lässt sich gerne auf dem Beat treiben. Okay, was ist das für eine Basslinie. Hmm, hier klingen ihre Zeilen ein wenig… ruhiger und entspannter. Das eine Sample gerade will ich nicht spoilen. Makes me mad… Raps mit Tiefgang. Zwischen dem was vor mir steht und nach mir kommt. Wieder so viele gute Lines hier. Ihre Beschreibung von sich selbst hier ist viel persönlicher und nahbarer von der Stimmung her. Get the message. 4,5/5

Fazit:

Okay, wir haben hier die klassischste Form einer Debütveröffentlichung, und ich bin absolut happy mit dem gesamten Ding. Okay, also, was will man möglichst als erste machen, wenn man sein erstes Projekt droppt? Man möchte Leuten nahelegen, wer man selber ist, was einen beschäftigt, und wie man die Dinge um sich herum so sieht. Presslufthanna macht auf dieser EP genau das, und gibt uns die klassische Representer-EP. Jeder Song hier drauf handelt von ihr, ihrer Liebe zu Hip-Hop, ihrer Beziehung zum Schreiben und was für Probleme sie beschäftigen. Und, um es direkt zu sagen, sie macht das wirklich fantastisch. Ihr Flow ist raw as hell, man merkt ihr die ganze Zeit ihre Liebe zum Material an, ihre Zeilen sind fantastisch strukturiert und ihre Inhalte kommen durch ihren ehrlichen Grundton ziemlich gut beim Hörer an. Hier und da streut sie ein paar politischere Zeilen ein, manchmal wird sie ein bisschen unterhaltsamer, und insgesamt merkt man hier einfach, dass sie eine sehr hungrige Rapperin ist, in der viel Potential schlummert. Wie gesagt, das mag jetzt nicht unbedingt die krasseste Content auf dieser Platte sein, aber er ist real, und no bullshit präsentiert, und sowas kann ich immer feiern. Bei den nächsten Projekten werden sich dann wahrscheinlich viel konkretere Thementracks noch mit dazuschleichen, und darauf freue ich mich dann auch schonmal. Das rohe Talent hat sie nämlich auf jeden Fall Die Beats, die Oskar Hahn und plusma da für sie zusammengeschraubt haben unterstützen das ganze auch. Sehr gräuliche Jazzsamples werden getragen von sehr lauten, energetischen Drums und groovenden Basslinien. Manchmal wird es etwas düsterer (Suchtverhalten), manchmal klärt sich das Soundbild mehr auf (Unterm Strich), aber generell hat man hier einen sehr einheitlichen Klang, der mich persönlich sehr an New Yorker Hip-Hop gegen Ende der 90er erinnert, nur mit moderneren Stylings in den Melodielinien. Hier wird das rad auch nicht unbedingt neu erfunden, aber diese Formel wird generell sehr eindrucksvoll und frisch umgesetzt, weshalb ich die Beats hier drauf auch sehr mag.

So, empfehlen kann ich diese EP allen Leuten, die wirklich auf der Suche nach einer talentierten Newcomerin sind, die sich und ihre Inhalte gut präsentieren kann, und vor allem unfassbar hungrig ist. Presslufthanna hat sich bei mir mit dieser Veröffentlichung definitiv als vielversprechendes Talent vorgestellt, und ich hoffe, dass jetzt, wo sie auch ein Projekt draußen hat, viel mehr Leute auf sie aufmerksam werden. Verdient hat sie sich das nämlich allemal.

Bester Song: SUCHTVERHALTEN

Schwächster Song: Uff, ähhhh, keine Ahnung, vielleicht GESCHICHTE WIRD GEBUFFT, aber der Track ist auch stark

Urteil:

83%

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